Die Unwetterlage im Südwesten der USA bleibt auch am Donnerstag, 17. September 2026, gefährlich. Auf der Navajo Nation im Nordwesten von New Mexico sind nach schweren Überschwemmungen zwei Erwachsene und ein Kind ums Leben gekommen. Nach Angaben des Navajo Nation Council wurden die drei Menschen in einem überfluteten Gebiet mitgerissen. Die Polizei erhielt den Notruf gegen 00.30 Uhr Ortszeit am Mittwoch; die Einsatzkräfte fanden die drei später tot. Der Vorfall wird weiterhin untersucht.
Neue Vorwarnung für Donnerstag
Während die Folgen der tödlichen Sturzflut noch aufgearbeitet werden, baut sich bereits die nächste Gefahrenphase auf. Der National Weather Service in Albuquerque hat für weite Teile von Nordwest-, West- und Nordzentral-New-Mexico erneut eine Flood Watch ausgegeben. Für die besonders betroffenen Gebiete im Nordwesten gilt sie ab 11 Uhr Mountain Daylight Time – das entspricht 19 Uhr Schweizer Zeit – bis spät in die Nacht.
Eine Flood Watch ist noch keine Bestätigung, dass überall Überschwemmungen auftreten werden. Sie bedeutet aber, dass die meteorologischen und hydrologischen Voraussetzungen für Sturzfluten vorhanden sind. Der Wetterdienst rechnet am Nachmittag und Abend mit weiteren Schauern und Gewittern. In kräftigen Zellen können laut NWS Regenraten von ein bis zwei Inch pro Stunde auftreten, also ungefähr 25 bis 50 Millimeter pro Stunde.
Gesättigte Böden verschärfen die Lage
Entscheidend ist nicht nur die Regenmenge einer einzelnen Gewitterzelle. In Teilen New Mexicos ist der Boden nach mehreren Niederschlagsrunden bereits stark durchnässt. Damit kann zusätzliches Wasser schlechter aufgenommen werden und schneller oberflächlich abfliessen. Besonders gefährdet sind Senken, trockene Flussbetten und sogenannte Arroyos, kleine Bäche und schlecht entwässerte Gebiete. Auch Brandflächen reagieren empfindlich, weil Vegetation und Bodenstruktur dort weniger Wasser zurückhalten können.
Der National Weather Service nennt für Donnerstag speziell den Nordwesten New Mexicos mit Farmington und Shiprock sowie weitere Teile des Bundesstaates. Das Wetteramt weist zudem darauf hin, dass in kräftigen Gewittern sehr rascher Abfluss und lokale Sturzfluten möglich sind. Für Schweizer Verhältnisse ist wichtig: Solche Fluten können in trockenen Landschaften besonders überraschend wirken, weil ein scheinbar harmloses Gerinne innert kurzer Zeit zu einem reissenden Strom werden kann.
Navajo Nation im Ausnahmezustand
Die zuständige Commission on Emergency Management hat den bereits erklärten Ausnahmezustand für die gesamte Navajo Nation wegen schwerer Monsungewitter, Sturzfluten sowie Schäden an Strassen und Infrastruktur bekräftigt. Als besonders betroffener Abschnitt wurde unter anderem die U.S. Highway 191 zwischen den Meilensteinen 451 und 456 genannt. Dort wurden in der Nacht Evakuierungen durchgeführt.
Die Behörden mahnen eindringlich, überflutete Strassen, Furten und Wasserläufe nicht zu betreten oder zu befahren. Selbst relativ flach wirkendes, fliessendes Wasser kann Fahrzeuge verschieben und ausgewaschene Strassen oder Hindernisse verdecken.
Die kritische Phase liegt noch vor der Region
Für die weitere Entwicklung ist der Donnerstagabend entscheidend. Die aktuelle Vorwarnung deckt genau die Stunden ab, in denen erneut kräftige Gewitter entstehen können. In der Nacht sollen die Regenraten zwar eher abnehmen, doch bei bereits gesättigten Böden bleibt die Reaktion von Bächen und Entwässerungswegen verzögert möglich. Die Lage muss deshalb lokal und kurzfristig anhand der offiziellen Warnungen verfolgt werden.
