WetterToni
Wetter SchweizWetterToni Redaktion

Sommer im Herbst: Diese Pflanzen blühen jetzt – und warum die Wärme zum Problem werden kann

Ende September 2026 wirkt die Schweiz vielerorts eher wie im Spätsommer als im Herbst. Nach einem sehr warmen und trockenen Sommer blieb auch der September bisher aussergewöhnlich sonnig und niederschlagsarm. SRF Meteo berichtete am 22. September, dass es in weiten Teilen des Landes seit Monatsbeginn nur rund 10 bis 20 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge gegeben hatte. Gleichzeitig lag die Temperatur in diesem Zeitraum vielerorts rund drei bis fünf Grad über dem langjährigen Mittel. Für die Tage um den 27. bis 30. September wurden im Mittelland erneut Höchstwerte von etwa 26 bis lokal 28 Grad erwartet – rund zehn Grad mehr als klimatologisch üblich.

Diese Kombination aus Wärme, Sonne und Trockenheit beeinflusst auch die Pflanzenwelt. Wichtig ist dabei eine Unterscheidung: Nicht jede Blüte Ende September ist ungewöhnlich. Einige Arten haben jetzt ganz normal ihre Hauptblüte. Andere können bei anhaltend mildem Wetter länger blühen als in kühleren Jahren oder nach Trockenstress nochmals einzelne Blüten und frische Triebe bilden.

Was jetzt ganz normal blüht

Zu den typischen Spätblühern gehört der Efeu. InfoFlora gibt für die Schweiz eine reguläre Blütezeit von September bis Oktober an. Seine unscheinbaren gelblich-grünen Blütendolden sind ökologisch wichtig, weil sie im Herbst noch reichlich Nektar und Pollen liefern. Bienen, Schwebfliegen und andere Insekten finden dort Nahrung, wenn viele Sommerblumen bereits verblüht sind.

Auch die Ambrosia – das Aufrechte Traubenkraut – kann jetzt noch blühen. Ihre reguläre Blütezeit liegt laut InfoFlora zwischen August und Oktober. Genau hier liegt ein gesundheitliches Problem: Ambrosiapollen gehören zu den stark allergenen Pollenarten. MeteoSchweiz zählt Ambrosia zusammen mit Beifuss zu den wichtigen Auslösern von Spätsommer- und Herbstallergien. Bei trockenem und windigem Wetter können die Pollen zudem über grössere Distanzen verfrachtet werden.

Die Kanadische Goldrute blüht regulär von Juli bis September. In einem warmen Herbst können einzelne Bestände bis Ende September auffällig lange gelb bleiben. Die Art ist allerdings ein invasiver Neophyt. InfoFlora weist darauf hin, dass amerikanische Goldruten dichte Bestände bilden und dabei einheimische Pflanzen verdrängen können. Eine lange warme Phase verlängert nicht automatisch ihre Blüte um Wochen, kann aber die Reifung und Ausbreitung bereits gebildeter Samen begünstigen, solange kein früher Kälteeinbruch die Vegetation abrupt beendet.

🌿 Heute wichtig

  • Efeu: reguläre Blüte in der Schweiz von September bis Oktober.
  • Ambrosia: Blütezeit August bis Oktober – bei trockenem, windigem Wetter besonders allergierelevant.
  • Goldrute: regulär bis September; invasive Bestände können bei langer Vegetationszeit länger auffallen.
  • Trockenstress: Wärme hilft nicht automatisch – fehlende Bodenfeuchte schwächt viele Pflanzen trotz später Sonne.

Blüht der Frühling jetzt ein zweites Mal?

Ein verbreiteter Eindruck bei sehr warmem Herbstwetter ist, dass die Natur «noch einmal Frühling» macht. Tatsächlich können einzelne Gehölze oder Gartenpflanzen nach Hitze- und Trockenstress nochmals austreiben oder vereinzelt blühen. Das ist aber kein flächendeckender zweiter Frühling. Bei vielen Arten ist die Blüte an mehrere Faktoren gekoppelt: Tageslänge, vorangegangene Kälteperioden, Wasserangebot und der Entwicklungszustand der Knospen spielen ebenso eine Rolle wie die Temperatur.

Gerade nach dem heissen und trockenen Sommer 2026 ist deshalb Vorsicht mit pauschalen Aussagen nötig. Die WSL beschreibt für dieses Jahr einen starken Trocken- und Hitzestress in den Schweizer Wäldern. Das Sanasilva-Bulletin vom 23. September zeigt eine deutliche Verschlechterung des Kronenzustands bei Laubbäumen; die mittlere Gesamtentlaubung lag bei 29,7 Prozent. Viele Bäume verfärbten sich aussergewöhnlich früh. Wärme allein bedeutet also keineswegs, dass Pflanzen «profitieren».

Die grösste Gefahr ist derzeit die Kombination aus Wärme und Trockenheit

Wenn die Wärme anhält, verlängert sich die Vegetationsperiode. Das kann bei gut mit Wasser versorgten Pflanzen zu längerem Wachstum und bei Spätblühern zu einer verlängerten Blüte führen. In der aktuellen Situation fehlt aber vielerorts Bodenfeuchte. Dann steigt die Verdunstung weiter, und Pflanzen verlieren zusätzlich Wasser. Besonders betroffen sind junge Bäume, flach wurzelnde Pflanzen sowie Standorte mit flachgründigen oder verdichteten Böden.

Die WSL hat für 2026 bereits ungewöhnlich frühe Braunverfärbungen und Blattverluste dokumentiert. Bei Bäumen kann ein früher Verlust noch grüner Blätter problematisch sein, weil Nährstoffe dann nicht wie üblich vor dem Blattfall zurück in Stamm und Wurzeln verlagert werden. Wiederkehrender Trockenstress kann deshalb Wachstum und Widerstandskraft schwächen.

Für Allergiker kann der Herbst unangenehm länger werden

Für Pollenallergiker ist die Lage ebenfalls relevant. Die klassische Gräser-Hauptsaison ist Ende September weitgehend vorbei, doch spätblühende Arten wie Ambrosia und Beifuss können weiterhin Beschwerden auslösen. MeteoSchweiz weist darauf hin, dass Pollenproduktion, Freisetzung und Transport stark vom Wetter abhängen. Trockene, sonnige und windige Phasen sind für den Pollenflug günstiger als anhaltender Regen.

Ein warmer Herbst bedeutet deshalb nicht zwingend extrem hohe Pollenkonzentrationen an jedem Ort, kann die Saison bestimmter Arten aber verlängern. Besonders in Regionen mit Ambrosiavorkommen sollten empfindliche Personen die aktuelle Polleninformation beachten und bei Beschwerden ihre üblichen ärztlich empfohlenen Massnahmen anwenden.

Auch invasive Arten profitieren von langen Vegetationsperioden

Ökologisch heikel ist, dass warme Herbstphasen nicht nur einheimischen Spätblühern zusätzliche Zeit geben. Invasive Neophyten können ebenfalls länger wachsen, Samen ausreifen lassen oder neue Standorte besiedeln. Bei der Kanadischen und der Späten Goldrute ist das besonders relevant, weil sie dichte Dominanzbestände bilden können und dadurch einheimische Arten zurückdrängen. Ambrosia ist zusätzlich gesundheitlich problematisch, weil ihre Pollen stark allergen sind.

Was passiert, wenn die Wärme bis in den Oktober hinein anhält?

Dann ist vor allem mit einer verzögerten Vegetationsruhe in tiefen und milden Lagen zu rechnen. Efeu kann weiterblühen, spätblühende Garten- und Wildpflanzen bleiben länger aktiv, und einzelne stressgeplagte Pflanzen können nochmals frische Triebe bilden. Gleichzeitig bleibt die Trockenheit der entscheidende begrenzende Faktor. Ohne ausreichend Niederschlag nimmt der Stress trotz warmer Luft weiter zu.

Ein später Temperatursturz wäre dann der nächste Risikofaktor. Frische, noch nicht vollständig ausgereifte Triebe reagieren empfindlicher auf Frost als bereits abgehärtetes Gewebe. Das betrifft vor allem Gartenpflanzen und junge Gehölze. Für die Natur insgesamt ist deshalb nicht die warme Phase allein entscheidend, sondern der Übergang: Je länger Wachstum und Blüte anhalten und je abrupter danach Kälte einsetzt, desto grösser kann lokal die Belastung für empfindliche Pflanzen sein.

Unterm Strich zeigt der September 2026 zwei Seiten derselben Wetterlage: Spätblüher liefern Insekten weiterhin Nahrung und sorgen für Farbe in der Landschaft. Gleichzeitig verlängern Wärme und Trockenheit Pollenrisiken, begünstigen invasive Arten und setzen viele Bäume und Böden weiter unter Stress. Entscheidend für die nächsten Wochen wird deshalb nicht nur die Temperatur, sondern vor allem sein, ob endlich wieder ergiebiger Regen fällt.