Schweizer Gletscher verlieren 2026 weitere fünf Prozent – das verändert die Alpen sichtbar
Die Schweizer Gletscher haben 2026 erneut einen massiven Rückschlag erlitten. Nach Angaben des Schweizer Gletschermessnetzes GLAMOS gingen innerhalb eines hydrologischen Jahres mehr als fünf Prozent des verbliebenen Eisvolumens verloren. Damit gehört 2026 zu den extremsten Verlustjahren der Messgeschichte. Besonders bemerkenswert ist nicht nur die Grösse des aktuellen Rückgangs, sondern die Geschwindigkeit: In den letzten fünf Jahren ist nahezu ein Fünftel des Schweizer Gletschervolumens verschwunden.
Der Rückzug ist im Hochgebirge längst nicht mehr nur eine Zahl in einer Klimastatistik. Er verändert Talabschlüsse, Moränenlandschaften, Wanderwege und die Wasserführung von Gletscherbächen. Wer regelmässig in den Alpen unterwegs ist, sieht an vielen Orten, wie weit sich die Gletscherzungen von früheren Wegpunkten, Hütten oder markanten Felsstufen zurückgezogen haben.
Ein dünnes Winterpolster und ein extrem warmer Sommer
Für die Massenbilanz eines Gletschers sind zwei Dinge entscheidend: Wie viel Schnee im Winter als Reserve liegen bleibt und wie stark dieser Schnee und das darunterliegende Eis im Sommer abschmelzen. 2026 kam beides ungünstig zusammen. GLAMOS beschreibt den Winter als schneearm; an vielen Messorten lag im Frühling nur ungefähr die Hälfte der üblichen Schneemasse. Unterhalb von rund 2000 Metern fehlte während grosser Teile des Winters eine nachhaltige Schneedecke.
Danach folgte eine aussergewöhnlich warme Periode. Zwischen April und September lag die Nullgradgrenze laut GLAMOS an 76 Tagen über 4000 Metern. Das ist für die Gletscher besonders problematisch, weil dann selbst grosse Teile der Hochlagen nicht mehr durch Frost geschützt sind. Der vorhandene Schnee verschwindet früher, dunkleres Eis kommt zum Vorschein und nimmt deutlich mehr Sonnenenergie auf.
🏔️Gletscher 2026 in Zahlen
- mehr als 5 % Verlust des verbleibenden Schweizer Gletschervolumens in einem Jahr
- 2,5 bis 4 Meter mittlerer Eisdickenverlust an den gemessenen Gletschern
- an einzelnen Gletscherzungen lokal bis zu 10 Meter Eisverlust
- fast 20 % des Volumens gingen innerhalb der letzten fünf Jahre verloren
- vom 1. Juli bis 15. September schmolzen laut GLAMOS rund 2,2 Billionen Liter Gletscherwasser ab
Warum fünf Prozent in einem Jahr so viel sind
Gletscher reagieren zwar von Jahr zu Jahr auf Schnee, Temperatur und Strahlung, doch sie können einen derart grossen Verlust nicht in einem einzelnen guten Winter wieder ausgleichen. Mehrere Meter Eis entstehen nicht in einer Saison. Wird die Gletscheroberfläche niedriger, gerät sie zudem in wärmere Luftschichten. Das verstärkt den langfristigen Rückgang zusätzlich.
Die Veränderungen betreffen nicht alle Gletscher identisch. Höhenlage, Exposition, Beschattung, Schuttbedeckung und die Form des Gletscherbeckens spielen eine grosse Rolle. Kleine und tief gelegene Gletscher reagieren besonders schnell. Aber auch die grossen Eisströme der Schweizer Alpen verlieren weiter deutlich an Masse.
Schmelzwasser ist kurzfristig viel – langfristig fehlt der Speicher
In einem extremen Schmelzsommer liefern Gletscher viel Wasser an die Flüsse. Das kann auf den ersten Blick widersprüchlich wirken: Ein schrumpfender Gletscher produziert zunächst besonders viel Schmelzwasser. Langfristig funktioniert dieser Effekt jedoch nur, solange genügend Eis vorhanden ist. Wird der Eisspeicher kleiner, sinkt seine Fähigkeit, in trockenen und heissen Sommerperioden Wasser abzugeben.
Für die Schweiz ist deshalb nicht nur die sichtbare Landschaftsveränderung relevant. Der Gletscherrückgang betrifft auch Hochwasserdynamik, Niedrigwasser, Wasserkraft, Ökosysteme und die Stabilität von Hängen und Moränen. Wo Eis verschwindet, können Fels und Lockermaterial auftauen oder ihre Stützwirkung verlieren.
Was Besucher in den Alpen beachten sollten
Der Gletscherrückzug macht bekannte Routen nicht automatisch gefährlich, verändert aber das Gelände. Zustiege können länger werden, Randklüfte verändern sich und früher vom Eis gestützte Hänge können instabiler sein. Wer Hochtouren plant, sollte deshalb aktuelle Informationen von Hütten, Bergführern und lokalen Stellen berücksichtigen und sich nicht auf alte Kartenbilder oder Erinnerungen aus früheren Jahren verlassen.
Die Bilanz 2026 zeigt vor allem eines: Die Schweizer Gletscher befinden sich nicht in einer langsamen, kaum sichtbaren Veränderung. Der Rückgang läuft derzeit in einer Geschwindigkeit ab, die innerhalb weniger Jahre ganze Landschaftsbilder verändert.