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Morgendlicher Nebel über einer feuchten Schweizer Landschaft bei Sonnenaufgang
WissenWetterToni Redaktion

Der Taupunkt verrät mehr als 90 Prozent Luftfeuchte: So liest du Nebel, Tau und Schwüle richtig

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Wer eine Wetter-App öffnet, sieht oft zuerst die relative Luftfeuchtigkeit: 60, 80 oder 95 Prozent. Diese Zahl wirkt eindeutig – ist es aber nicht. Denn relative Luftfeuchtigkeit hängt stark von der Temperatur ab. Der Taupunkt ist deshalb für viele praktische Fragen die bessere Grösse: Wie feucht fühlt sich die Luft wirklich an? Wann bildet sich Tau? Wann droht Nebel? Und warum können 90 Prozent Luftfeuchtigkeit im Winter völlig anders wirken als 90 Prozent im Sommer?

Was der Taupunkt eigentlich misst

Der Taupunkt ist jene Temperatur, auf die eine Luftmasse bei gleichbleibendem Druck abgekühlt werden müsste, damit sie mit Wasserdampf gesättigt ist. Wird diese Temperatur erreicht oder unterschritten, kann Wasserdampf kondensieren – etwa als Tau auf Gras, als Nebel in der Luft oder bei Temperaturen unter null Grad als Reif.

Warum relative Feuchte allein oft in die Irre führt

Warme Luft kann deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. Deshalb kann dieselbe Luftmasse morgens 95 Prozent relative Feuchte und nachmittags nur 45 Prozent anzeigen, obwohl sich die tatsächliche Wasserdampfmenge kaum verändert hat. Die Luft ist also nicht plötzlich trocken geworden – sie kann bei höherer Temperatur einfach mehr Feuchte aufnehmen.

So liest du den Taupunkt im Alltag

Liegt die Lufttemperatur nur ein oder zwei Grad über dem Taupunkt, ist die Luft nahezu gesättigt. In klaren Nächten genügt dann oft geringe weitere Abkühlung, damit sich Tau oder Nebel bildet. Ist der Abstand dagegen gross, ist Nebelbildung deutlich unwahrscheinlicher. Besonders in Tälern, Senken und über feuchten Böden kann die bodennahe Luft rasch bis zum Taupunkt abkühlen.

Taupunkt und Schwüle

Auch im Sommer ist der Taupunkt hilfreich. Hohe Taupunkte bedeuten, dass viel Wasserdampf in der Luft steckt. Dann kann Schweiss schlechter verdunsten, und Wärme wird als belastender empfunden. Entscheidend ist also nicht nur die Temperatur, sondern auch die absolute Feuchte der Luft.

Warum Nebel häufig in klaren Hochdrucknächten entsteht

Bei wenig Wind und klarem Himmel kann der Boden stark ausstrahlen und abkühlen. Die direkt darüberliegende Luft kühlt mit. Erreicht sie ihren Taupunkt, kondensiert Wasserdampf. In den Schweizer Niederungen und Beckenlagen ist das im Herbst besonders relevant. Feuchte Luft sammelt sich in Senken; bei stabilen Hochdrucklagen kann daraus zäher Nebel oder Hochnebel entstehen.

Merksatz

Je kleiner der Abstand zwischen Temperatur und Taupunkt, desto näher ist die Luft an der Sättigung. Wer Nebel, Tau, Reif oder Schwüle einschätzen will, sollte deshalb nicht nur auf die relative Luftfeuchtigkeit schauen.