Die schwere Gewitterfront vom 28. August hinterlässt in der Schweiz eine enorme Schadenbilanz. Versicherer melden Zehntausende Fälle, vor allem an Fahrzeugen und Gebäuden. Nach ersten Einschätzungen liegt die Schadensumme landesweit mindestens im dreistelligen Millionenbereich.
Knapp eine Woche nach dem Unwetter wird das Ausmass der Schäden immer deutlicher. Am Freitagmorgen, 28. August 2026, zog eine kräftige Gewitterfront aus westlicher Richtung über weite Teile der Schweiz. Besonders der Norden des Landes wurde von Hagel, Starkregen und schweren Sturmböen getroffen. Nun zeigen die laufenden Schadenmeldungen, dass das Ereignis zu den teuersten Hagelereignissen des Jahres gehört.
Zehntausende Schadenmeldungen bei Versicherern
Die Mobiliar meldete bis Mittwoch schweizweit rund 18’000 Schadenfälle. Allein 14’300 davon betreffen beschädigte Fahrzeuge. Hinzu kommen Schäden an Gebäuden, Kellern und Gärten. Die Allianz Suisse verzeichnet inzwischen mehr als 11’000 Meldungen zu Fahrzeugschäden und rechnet damit, dass die Zahl weiter steigt. Auch bei Helvetia lagen bis Mittwochmorgen rund 11’500 Meldungen vor; ungefähr 90 Prozent davon stammen aus dem Motorfahrzeugbereich.
Eine endgültige Gesamtsumme lässt sich noch nicht beziffern. Mehrere Versicherer gehen für ihre eigenen Bestände bereits von hohen zweistelligen Millionenbeträgen aus. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur AWP kommt deshalb zum Schluss, dass die schweizweiten Schäden mindestens einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen.
Kanton Zürich besonders stark getroffen
Besonders deutlich zeigt sich das Ausmass im Kanton Zürich. Die Gebäudeversicherung Kanton Zürich stuft das Unwetter als Massenschadenereignis ein. Nach aktuellem Stand sind dort rund 17’500 Schadenmeldungen eingegangen; die erwartete Schadensumme liegt bei rund 200 Millionen Franken. Unmittelbar nach dem Ereignis war zunächst noch von ungefähr 30 Millionen Franken ausgegangen worden.
Zu den stark betroffenen Gebieten zählen unter anderem Bülach, Rorbas, Freienstein, Embrach, Dättlikon, Neftenbach, Seuzach, Dinhard, Rickenbach und die Stadt Winterthur. Häufig beschädigt wurden Dächer, Ziegel, Oberlichter, Dachfenster, Photovoltaikanlagen und Storen. Die Zürcher Gebäudeversicherung berichtet regional von Hagelkörnern mit einem Durchmesser von vier bis sechs Zentimetern.
Auch der Kanton Aargau verzeichnet hohe Schäden. Die Aargauische Gebäudeversicherung beziffert die erste Schätzung auf 25 bis 30 Millionen Franken bei rund 3000 Schadenmeldungen. Weitere Meldungen werden erwartet.
Hagel und Sturm trafen gleichzeitig
Die Kombination aus grossem Hagel und schweren Windböen machte die Gewitterlage besonders schadensträchtig. Laut den von SRF zusammengetragenen Messungen und Angaben von MeteoSchweiz wurden im Kanton Schaffhausen Windböen von bis zu 142 Kilometern pro Stunde registriert. Lokal erreichten Hagelkörner mehrere Zentimeter Durchmesser.
Bei solchen Ereignissen entstehen Schäden nicht nur durch den direkten Hagelschlag. Starke Böen können Äste und Gegenstände durch die Luft schleudern, Dächer beschädigen oder Bäume umwerfen. Gleichzeitig kann Starkregen in kurzer Zeit Keller, Unterführungen und tiefer gelegene Grundstücke überfluten. Treffen diese Faktoren innerhalb derselben Gewitterlinie zusammen, steigt das Schadenpotenzial erheblich.
Die Bilanz ist noch nicht abgeschlossen
Die derzeit bekannten Zahlen sind weiterhin vorläufig. Versicherungen weisen darauf hin, dass auch Tage oder Wochen nach einem grossen Hagelereignis noch zusätzliche Schäden gemeldet werden. Besonders bei Fahrzeugen werden kleinere Dellen oder Schäden an Glas und Karosserie teilweise erst später entdeckt.
Für die meteorologische Einordnung ist wichtig: Die aktuelle Schadenbilanz beschreibt die Folgen des Ereignisses vom 28. August und ist keine neue Unwetterwarnung. Entscheidend für kommende Gewitterlagen sind jeweils die aktuellen Warnungen und Prognosen. WetterToni trennt deshalb klar zwischen der Analyse eines vergangenen Wetterereignisses und einer akuten Warnlage.
