Die Schweiz ist am Donnerstagabend vielerorts trocken und deutlich ruhiger als zur Wochenmitte. Eine Besonderheit bleibt jedoch die Bise: Der Nordostwind wird zwischen Jura und Alpen kanalisiert und kann deshalb in der Westschweiz wesentlich markanter auftreten als weiter östlich im Mittelland.
Ein Wind, der nach Westen an Tempo gewinnt
Die Bise ist kein gleichmässiger Ostwind, der über die ganze Schweiz mit derselben Stärke bläst. Entscheidend ist die Topografie. Zwischen Jura und Alpen verengt sich das Mittelland Richtung Genfersee. Die aus Nordost einströmende Luft wird in diesem Korridor gebündelt und beschleunigt.
Darum kann ein Tag, der in Zürich oder Bern nur mässig windig wirkt, am westlichen Genfersee deutlich ruppiger ausfallen. Besonders auf offenen Wasserflächen, an Ufern und auf exponierten Höhenzügen ist der Unterschied spürbar. Die aktuelle Lage passt zu diesem Muster: Im Westen wurde die Bise heute zeitweise mässig bis stark erwartet, während der Wettercharakter in weiten Teilen der Schweiz bereits trocken und freundlich war.
Restfeuchte staut sich an den zentralen und östlichen Alpen
Die gleiche Nordostströmung hat noch einen zweiten Effekt. Feuchte Luftreste werden gegen die zentralen und östlichen Voralpen und Alpen gedrückt. Dort können Wolken länger hängen bleiben, obwohl das Mittelland bereits grössere Aufhellungen erlebt.
Das erklärt, warum die Wetterberuhigung heute nicht überall gleichzeitig sichtbar wurde. In der Westschweiz und im Wallis setzte sich die Sonne deutlich besser durch, während Wolken an den Alpen zäher blieben. Auf der Alpensüdseite und im Engadin waren zudem einzelne Schauer möglich.
Auf Seen zählt nicht nur die mittlere Windgeschwindigkeit
Für Segler, Paddler und andere Wassersportler ist eine Bisenlage besonders relevant, weil die lokalen Verhältnisse auf einem See deutlich kräftiger sein können als ein allgemeiner Regionalwert vermuten lässt. Böigkeit, Uferform und die Ausrichtung des Sees spielen zusätzlich eine Rolle.
Eine markante Bise ist deshalb kein automatisches Warnsignal. Sie ist aber ein Beispiel dafür, dass ein trockenes Hochdruckwetter nicht überall mit ruhiger Luft gleichzusetzen ist. Wer am Abend auf einem See unterwegs ist, sollte die lokalen Windverhältnisse stärker gewichten als die reine Niederschlagsprognose.
In der Nacht nimmt der Tagesgang ab
Mit dem Sonnenuntergang verliert die bodennahe Durchmischung an Stärke. In vielen Regionen wird der Wind dadurch schwächer, zugleich kühlt es unter Auflockerungen rasch ab. Im Flachland liegen die Temperaturen am Abend vielerorts im mittleren Zehnerbereich und sinken in der Nacht deutlich weiter.
Der Wetterwechsel zur Wochenmitte ist damit abgeschlossen, die Bise bleibt aber noch als regionale Signatur der neuen Luftmasse erkennbar. Besonders zwischen Neuenburgersee und Genfersee lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den lokalen Wind.
Stand: Donnerstag, 10. September 2026, 18:50 Uhr.
